Der Herr ist MEIN Hirte

 

Oben auf einer Alp in der Schweiz sitzt ein Hirtenjunge. Er spielt auf einer Blockflöte. Rings um ihn her weiden seine Schafe in dem saftigen Gras. Welche prachtvolle Natur… in der Ferne die Gletscher mit dem „ewigen“ Schnee.

 

Ein Wanderer steigt den schmalen Bergpfad herauf; es ist ein Urlauber. „Na, mein Junge, wie heißt du denn?“

„Ich heiße Henry!“

„Wie alt bist du?“

„Zehn Jahre.“

„Gut, Henry, nenne mich ruhig Onkel Hans. Sag, was machst du eigentlich hier?“

„Ich, ich habe Ferien und soll für meinen Vater die Schafe hüten.“ „Na das ist schön; dann bist du also ein junger Hirte.

 

 

Hast du eigentlich schon einmal etwas von dem guten Hirten gehört?“

„Ich bin selbst ein guter Hirte, denn ich sorge gut für unsere Schafe.“

„Ja, das glaub ich dir. Du bist also ein guter Hirte; aber ich meine, ob du weist, wer der gute Hirte ist.“

„Nein, wer ist das?“

„Nun, das ist der Herr Jesus. Er ist Gott, aber Er kam aus dem Himmel auf die Erde, um als Mensch am Kreuz zu sterben. Jetzt lebt er wieder. Er ist der gute Hirte. Seine Schafe bringt Er ins Vaterhaus, das heißt in den Himmel. Nichts ist schöner, als Ihn zu kennen. Er sorgt noch besser für dich, als du für deine Schafe!“

„Kann Er mich auch ins Vaterhaus bringen?“

„Ja, aber dann muss erst etwas geschehen. Hast du wohl schon mal etwas Böses getan, Henry?“

„O ja, ich bin diese Woche ziemlich ungezogen gewesen.“

„Dann musst du Ihn erst bitten, ob Er dir das und auch alles andere Verkehrte, was du je getan hast, vergeben will. Wenn du betest und Ihm alles ehrlich sagst, nimmt Er alle deinen Sünden weg und vergibt dir, denn dafür ist Er gestorben. Er litt am Kreuz, um unsere Schuld zu bezahlen.“

Henry fragte, ob er jetzt gleich beten dürfe. Es war rührend zu sehen, wie gut er alles verstand. Er wollte von ganzem Herzen den Herrn Jesus kennenlernen. So kniete er auf dem Berg im Gras nieder und sprach in kindlicher Einfalt ein kurzes Gebet. Es kam aus seinem Herzen, und über solch ein Gebet freut sich der Herr Jesus.

Onkel Hans freute sich auch, denn er fühlte, dass sich dieses Kind,  obwohl es noch sehr jung war, ganz und gar dem Heiland anvertraute.

 

„Nun werde ich dich einen Spruch aus der Bibel lehren. Er ist kurz und heißt: Der Herr ist mein Hirte.
Das kannst du gut behalten, denn es sind nur fünf Worte, für jeden Finger an deiner Hand eins.

Mach deine Hand auf! Fünf Finger, nicht wahr? Nimm nun den Daumen zwischen die Finger deiner anderen Hand: DER

Jetzt halte den Zeigefinger fest: HERR

Jesus den Mittelfinger: IST

Jesus den Ringfinger: MEIN

Zum Schluss den kleinen Finger: HIRTE

 

Siehst du wohl, Henry? Fünf Worte. Jeder, der tut, was du getan hast: Die Sünden bekennen und an den Herrn Jesus glauben, der darf sagen: DER HERR IST MEIN HIRTE.

 

DER Hirte (nicht ein Hirte), weil Er allein der gute Hirte ist.

HERR, weil Er der Herr und Meister ist, der Allmächtige.

IST, weil Er es jetzt ist und immer bleiben wird.

MEIN, weil du zu Seinen Schafen gehörst.

HIRTE, weil Er für dich sorgt und dich liebhat.

Aber achte vor allem auf das Wörtchen: MEIN.

Er gehört zu dir, deshalb darfst du sagen: „Er ist MEIN Hirte.“

 

„Sieh Onkel Hans, wenn ich den Spruch aufsage und bei jedem Wort einen Finger festhalte, dann drücke ich den vierten Finger besonders fest: MEIN! – Ich bin ja so froh! Mein Hirte!“

Onkel Hans kam noch manchmal auf die Bergwiese, um nach Henry zu sehen; aber nach ein paar Wochen war sein Urlaub vorüber und auch Henry mußte wieder zur Schule gehen.

Es wurde Winter, und der Winter kann für ein Schweizer Dorf gefährlich werden, besonders wegen der Lawinen. Eine Lawine ist eine große Mensche Schnee, die hoch oben auf den Bergen ins Rutschen kommt und schließlich mit gewaltiger Fahrt ins Tal stürzt. Ganze Häuser wurden durch Lawinen zerstört und auch Menschen sind schon häufig mitgerissen und getötet worden.

 

Als eines Mittags Henry aus der Schule kam, wartete sein Vater schon auf ihn. Er war sehr traurig und sagte: „Henry, Mutter ist krank. Der Doktor hat ein Rezept aufgeschrieben, und die Arznei muss sofort geholt werden. Willst du gleich losgehen? Dann kannst du in einer Stunde wieder da sein. Ich bleibe bei Mutter.“

Henry war gehorsam und lief ins Nachbardorf zur Apotheke. Als er die Arznei hatte, machte er sich sofort auf den Heimweg. Es fing schon an, dunkel zu werden, als das Schreckliche geschah. Plötzlich hörte Henry ein donnerndes Geräusch, wie von einem Gewitter; aber es war keins – es war eine Lawine. Schnell wegrennen! Doch es war zu spät. Die Lawine holte ihn ein, überrollte ihn und begrub ihn unter einem großen Schneeberg.

Der Vater wurde unruhig. Die Dorfleute hatten das Geräusch gehört. Ob wohl Menschen verunglückt waren? Wo war Henry? In der Apotheke wurde angerufen; aber dort sagte man, Henry sei schon dagewesen und habe sich wieder auf den Heimweg gemacht.

Was sollte jetzt geschehen? Die Bauern zogen los, um ihn zu suchen. Stundenlang gruben sie im Schnee, angetrieben von quälender Ungewissheit. Würden sie ihn finden? Würde er noch leben? Endlich entdeckten sie ihn. Da lag er. Kalt. Tot. Wie furchtbar! Welch ein Schmerz für seine Eltern! Aber sie doch nur seine Hand! Sie hat den einen Finger der anderen Hand fest umklammert – den vierten Finger.

 

Der Vater verstand sofort, was das zu bedeuten hatte; denn Henry hatte seinen Eltern erzählt, dass er sich bekehrt hatte und dass der Herr Jesus sein Heiland, aber auch sein Hirte war. Er hatte ihnen gesagt, was Onkel Hans ihn gelehrt hatte. Sein Vater konnte sich denken, dass Henry die große Gefahr, die Lawine, hatte kommen sehen, auch dass er nicht mehr fliegen konnte und als er fühlte, dass er sterben mußte, er an den Herrn Jesus gedacht, der sein Freund war und ihn auch jetzt nicht verlassen würde. Henry dachte: „MEIN“, Er hatte seinen vierten Finger gegriffen und ihn festgehalten. So war er gefunden worden. Henry wusste sicher: „Er ist mein Hirte“. Seine Eltern wussten ebenso sicher: „Henry ist wohl gestorben, aber wenn sie auch seinen Leib begraben müssen – er selbst ist bei dem Herrn Jesus im Himmel.“

 

Der Schmerz war groß um den lieben Jungen, den sie verloren hatten; aber dies war ihnen ein großer Trost: Einst, wenn der Heiland wiederkommt, wird auch sein Leib auferstehen. Werden ihr auch an den vierten Finger denken? Könnt ihr schon sagen: Der Herr ist MEIN Hirte?