Als Kind einer christlichen Familie hatte ich von klein auf mit Gemeinden und dem christlichen Glauben zu tun. Die Bibelgeschichten kannte ich durch die Kinderstunden bald in- und auswendig. Die Existenz Gottes und die Geschichte um Jesus habe ich nie ernsthaft angezweifelt. Als Vierjährige fragte ich meine Mutter über Jesus und die Sache mit der Vergebung aus. Ich wollte auch ein „Lämmlein vom Herrn Jesus“ werden.
Jetzt, als bekennender Christ, höre ich manchmal: „Das ist doch klar, dass du das glaubst, wenn dir deine Eltern das beigebracht haben!“
Aber je älter ich wurde, desto lästiger wurde mir der Glauben – vor allem in der Hauptschulzeit. Die Bibelgeschichten hingen mir bald zum Halse raus – „Kenn ich eh schon!“. Meine Mutter hielt mich zum täglichen Bibellesen an. Nach einiger Zeit log ich sie an oder las nur „Alibi-weise“ (Bibel auf, einen Satz lesen, Bibel zu). In der Schule oder vor anderen Leuten wich ich aus und meinte auf eventuelle Fragen schnell: „Meine Eltern glauben das!“ Was meine Eltern glauben, dafür konnte ich nichts und dass sie davon sprachen – auch in meiner Schule – konnte ich ihnen ja schwer verbieten. Aber ich wollte klar stellen, dass es nichts mit mir zu tun hatte. Das Sonntags-in-die-Gemeinde-gehen war Routine und meine Eltern hätten es wohl kaum zugelassen, dass ich dem fern geblieben wäre.
In dieser Zeit hatte ich schlimme Albträume. Vor allem einen Traum träumte ich immer und immer wieder – jedes Mal genau gleich: Riesige Walzen bewegten sich auf mich zu und drohten mich zu erdrücken; eine unheimliche Stimme sprach auf mich ein und ich bewegte mich nur im Zeitlupentempo. Einmal war der Traum so schlimm, dass ich - selbst als ich wach wurde - mich immer noch im Traum gefangen fühlte. Ich konnte mich kaum bewegen und kroch auf allen Vieren und weinend zu meinen Eltern ins Schlafzimmer. Mein Vater sagte immer, ich solle beten, dann würde der Traum aufhören. Aber das tat es nicht. Nie.
Zeitweise wurde ich sogar Tagsüber von diesen Angstgefühlen verfolgt.
Wenn ich aufgrund der Albträume nicht schlafen konnte oder Angst hatte, las ich in der Bibel. Ich fühlte mich, als würde ich innerlich in zwei Richtungen gezogen werden – als würden zwei mir unsichtbare Mächte um mich kämpfen.
Als es am Schlimmsten war, stieß ich auf folgende Bibelverse:
„Denk erst nach, bevor du betest, sei nicht zu voreilig!
Denn Gott ist im Himmel, und du bist auf der Erde – also sei sparsam mit deinen Worten!
Man sagt doch: ‚Wer zu geschäftig ist, träumt bald unruhig, und wer zuviel redet, sagt leicht etwas Dummes’…
Wer viel träumt, träumt manches Sinnlose, und wer viel redet, sagt manches Unnütze. Du aber begegne Gott mit Ehrfurcht!“
Prediger 5,1-2.6
Da erkannte ich, dass ich Gott und seinem Wort ohne Respekt gegenüber getreten war. Ich verstand, dass Gott mich ganz persönlich meinte und mich als Sein Kind haben wollte und dazu gehört mehr, als nur „Ja“ zu sagen oder einfach mitzulaufen – Er will mich ganz! Ich bat Jesus um Vergebung und übergab Ihm aus vollem Herzen mein Leben.
Die Tatsache, dass ich von diesem Tage an diesen Albtraum niemals wieder hatte, bestätigte mir meine Entscheidung noch. Jesus hatte den Kampf um mich gewonnen.
Das heißt nun nicht, dass ich jetzt keine Probleme mehr habe oder nicht mehr verzweifle oder Angst habe. Aber in alledem weiß ich, dass Jesus bei mir ist und mich führt. Nichts und niemand in der Welt bringt mich jemals mehr von Ihm weg.
„Wenn Gott für uns ist, wer kann dann gegen uns sein?...
Denn da bin ich ganz sicher: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Dämonen,
weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch irgendwelche Gewalten,
weder Himmel noch Hölle oder sonst irgend etwas können uns von der Liebe Gottes trennen,
die er uns in Jesus Christus, unserem Herrn, bewiesen hat.“
Römer 8,31b + 38